Felice Schragenheim und Lilly Wust

Nachts

Ich liebe das: Mich über Dich zu neigen

und in Dein schlafendes Gesicht zu sehen,

wenn durch das dichte dämmergraue Schweigen

nur deine leisen Atemzüge wehen.

Wenn meine Augen über Deine klaren

und mir so sehr vertrauten Züge streifen,

kann ich von jenem zarten Wunderbaren,

das Du mir gibst, unendlich viel begreifen.

Wie in ein Kunstwerk, das ein Großer schuf

so senke ich mich tief in Dich hinein

und lausche Deiner stummen Lippen Ruf.

Doch plötzlich fühle ich: Ich bin allein!

Weit fort bist Du. In lähmendem Erschrecken

erkenne ich die Ferne, die Dich hält –

und reiße Dich empor, um Dich zu wecken,

damit Du wiederkehrst in meine Welt.-

                                                                                                                                                 Von Felice, 1943

https://i2.wp.com/i2.lisimg.com/image/802602/156full.jpg

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s